Geschichte: Entrechtet, enteignet, deportiert

Neu: Buch „Sinti und Roma in der Stadt Bernau bei Berlin“.
Sergej ScheibeDas Kulturamt lädt für Donnerstag um 16 Uhr zur Vorstellung des Buches „Sinti und Roma in Bernau bei Berlin“ in den AWO–Treff, An der Stadtmauer 12, ein. Der Bernauer Soziologe Dieter Korczak beschreibt in dieser Publikation das Schicksal der in Bernau lebenden Sinti und Roma zur Zeit des Nationalsozialismus.
In der Erinnerungskultur zu den Opfern der NS–Herrschaft wurde das Schicksal der Sinti und Roma im Allgemeinen wenig beachtet. Auch in Bernau waren sie jedoch Zielscheibe von Verleumdung, von Verfolgung und schließlich von Vernichtung. Von den 64 Sinti und Roma, die bis 1943 in Bernau wohnten, überlebten nur 18. Vier Familien sind nahezu vollständig ausgelöscht worden.
Anhand von Zeitdokumenten aus Stadt–, Landes– und Bundesarchiven zeichnet der Autor detailgetreu nach, wie die Lebensräume für die betroffenen Familien systematisch und immer stärker beschränkt wurden: Auf Entrechtung folgte Enteignung und schließlich die Deportation. Dieter Korczak stellt dar, wie Einzelschicksale und die großen Linien der Politik miteinander verwoben waren. Das Buch soll das Mitgefühl mit den Opfern und Erkenntnisse über gesellschaftliche und politische Prozesse gleichermaßen fördern. „Mit der Publikation stellt sich die Stadt ihrer historischen Verantwortung“, sagt Christian Schwerdtner, Leiter des Kulturamtes.
Die Publikation kostet zwei Euro und ist in der Tourist–Information sowie im Museum im Henkerhaus erhältlich. Schulklassen können über das Museum kostenlose Klassensätze erhalten.